Europa-Schach 2006
(Neckargemünd, 20.06.2007)
Schülerinnen und Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums Neckargemünd waren bei dem Turnier dabei.
Am 20. Juni trafen sich mehr als 150 Schülerinnen und Schüler aus sieben europäischen Nationen in Valkenburg in den Niederlanden. Sie waren zur Eurochess 2006 angereist, um eine Woche lang ihre Schachkünste gegen unterschiedliche Gegnerinnen und Gegner zu testen. Das Turnierprogramm wurde durch Sport, Spiel und Spaß aufgelockert, so dass sich den Teilnehmern und Teilnehmerinnen reichlich Gelegenheit bot, einander kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen. Die Verständigung klappte sehr gut, da fast alle Anwesenden Englisch sprachen.
Die Gruppe aus Neckargemünd wurde von Fritz Butzke als Leiter der deutschen Schachgruppe und von der Praktikantin Daniela Riediger betreut. Sie bestand aus drei Jungen und zwei Mädchen vom Leonardo da Vinci Gymnasium sowie zwei Schülern der Stephen-Hawking-Schule. Mit ihren 10- bis 11-Jährigen stellte sie die mit Abstand jüngsten Teilnehmer der Eurochess 2006.
Für die Finanzierung des Turniers hatten die EU, verschiedene Sponsorinnen und Sponsoren aus den Niederlanden sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesorgt. Neben der Verbesserung der Schachkünste ging es vor allem um die Begegnung zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung Franciscusoord für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und ihr großer Träger, die Stiftung SRL, hatten unter der Regie von Pierre Keune alles glänzend vorbereitet und die Durchführung hätte nicht besser und liebevoller sein können. Zur Eröffnung des Turniers ließ die niederländische Ministerin für Erziehung, Kultur und Wissenschaft es sich nicht nehmen, ein Spiel zu beginnen. Der Bürgermeister von Valkenburg folgte ihrem Beispiel und die ehemalige Olympiasiegerin und Präsidentin des Nationalen Olympischen Komitees der Niederlande, Frau E. Terpstra, forderte alle zu höchstem Einsatz und besonderer Fairness auf.
Besonders beeindruckt waren die Neckargemünder von einer Gruppe von blinden Spielerinnen und Spielern aus Ungarn, die hervorragend abschnitten. Gegen einen blinden Gegner oder eine blinde Gegnerin zu verlieren, war für unsere Schüler und Schülerinnen zunächst nicht einfach, und die Niederlage wurde nur ungläubig akzeptiert. Auch der blinde Schachweltmeister Voss verblüffte sie: Er spielte an zehn Brettern gleichzeitig und verlor kein einziges Spiel!
Nach der Simultan-Session mit dem internationalen Schachmeister Hans Böhm stellte ein Mädchen vom Leonardo da Vinci Gymnasium fest: „Ich hätte verloren, aber er war so nett, mich durch sein Angebot gewinnen zu lassen. Er sagte, dass ich in zwei Zügen matt wäre. Aber wenn ich ihm die Züge nennen würde, dann hätte ich gewonnen. Und das konnte ich! Er hat mir zum Sieg gratuliert.“ Bei dem Turnier wurden unterschiedliche Eröffnungen, Regeln, Problemstellungen und die Technik des Endspiels gelernt und eingeübt. Vor allem aber lernten die jungen Schachspielerinnen und Schachspieler, sich über vier Spiele zu konzentrieren und die vielen kleinen Konflikte auszuhalten und zu lösen. Es machte Freude, zu sehen, wie sie sich während der Woche immer stärker von dem Spiel Schach faszinieren ließen. Auch dass in dieser Großveranstaltung der Geburtstag eines sehr schwer behinderten Spielers in besonderer Weise gewürdigt wurde, fand starken Beifall.
Die vielen Unternehmungen neben dem Schachturnier hatten ihren Sinn: Es entsprach der Philosophie der Veranstaltung, durch die unterschiedlichen Aktivitäten und Situationen alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen miteinander bekannt zu machen. Dabei half besonders die tägliche Aufwärmphase, in der beispielsweise die Gruppen ihr Land vorstellten. Ein Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums spielte die deutsche Nationalhymne am Klavier, einer übergab Wein aus Heidelberg und der dritte eine (für Süddeutschland typische) Brezel. Schließlich überreichte die Gruppe aus Neckargemünd den niederländischen Schachspielerinnen und Schachspielern eine deutsche Flagge als Geschenk mit dem Hinweis, dass sich vielleicht Holland und Deutschland im Endspiel gegenüberstehen werden.

