Leonardo da Vinci GymnasiumLeonardo da Vinci Gymnasium

Ein Sonntag in Peking: Weißwurst und Ping-Pong mit der Großmutter

Vor der Kulisse von Shanghai

(Neckargemünd, 22.01.2009)

Gymnasiasten erschließen sich die chinesische Kultur

Das Fach Chinesisch steht seit vier Jahren als zusätzliches Förderangebot auf dem Stundenplan des Leonardo da Vinci-Gymnasiums für Hochbegabte. Über das Erlernen des komplexen chinesischen Zeichensystems und den Erwerb der sprachlichen Kompetenz hinaus beinhaltet das Lehrprogramm auch praktische Einblicke in die fremde Kultur Chinas.

Schulleiter Ulrich Müller hat deshalb bereits im Jahr 2007 eine Partnerschaft zwischen dem privaten Gymnasium in Neckargemünd, das zu den SRH-Schulen gehört, und der ebenfalls privat geführten Huijia-Schule in Peking angestoßen. Die Beziehung wird seither durch beiderseitiges Engagement mit Leben erfüllt: Im September 2008 waren 48 chinesische Schüler aus Peking zu Gast an der Leonardo-da-Vinci-Schule. Zwischen den Stationen Paris, London und Brüssel schnupperten die zehn- und elfjährigen Chinesen in Neckargemünd „deutsches Schülerleben“ sowohl im Unterricht als auch bei den Familien der Schüler, die sie eingeladen hatten.

17 deutsche Schüler zwischen 11 und 14 Jahren machten sich in Begleitung von drei Lehrern am 15. Oktober zu einem Gegenbesuch auf den Weg nach China. Erstes Ziel der dreiwöchigen Reise war Shanghai, wo die Gruppe gleich nach der Landung ihre Erkundungstour von Land und Leuten in einem Reisebus aufnahm. Beeindruckende historische Kulturstätten rund um diese asiatische Metropole, aber auch die Besichtigung einer Tee-Plantage, einer Seidenfabrik und der Besuch des neuen Finanzzentrums Lu Jia Zui standen auf dem Programm. Am siebten Tag flog die Reisegruppe nach Peking, ihrem zweiten Etappenziel. Am Flughafen der Hauptstadt wurden sie von einer Delegation der Partner-Schule erwartet und in das angegliederte Wohnheim begleitet, das in den folgenden beiden Wochen an Schultagen ihre Unterkunft sein sollte.

An den Wochenenden waren die deutschen Schüler bei den Familien der chinesischen Partnerschüler eingeladen. Gleichwohl alle Schüler sehr zufrieden mit ihrer Unterbringung und der Gastfreundlichkeit „ihrer“ Familien waren, gab es doch nach diesen Wochenenden so manch Erstaunliches zu berichten: So hatte man erfahren, dass viele chinesische Familien wegen der großen Distanz der jeweiligen Arbeits- und Ausbildungsstätten nur die Ferien gemeinsam verbringen können. Ein Schüler war beeindruckt von der überaus aktiven und sportlichen Großmutter seines Partnerschülers. Die alte Dame liebte es, sonntags beim Tischtennis-Match gegen die beiden Jungs anzutreten. Auch von Ausflügen ins Pekinger „Cafe Konstanz“ wurde berichtet. Hier griffen die chinesischen Familien tief in die Tasche, um ihren Gästen Weißwurst und Brezel zu spendieren.

Unter der Woche nahmen die deutschen Schüler am Unterricht teil und lernten dabei nicht nur kulturelle Besonderheiten wie Schattenboxen oder Kalligraphie kennen, sondern tauschten sich bei gemeinsamem Sport, Singen und Kochen auch intensiv mit den chinesischen Altersgenossen aus. Viele Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede kamen zu Tage: So beobachtete man in der chinesische Schulen einen aus deutscher Sicht überkommenen Unterrichtsstil, der auf uneingeschränkten Respekt vor dem Lehrer aufbaut. Entsprechend überrascht zeigte man sich auf Gastgeberseite, als der Mathematiklehrer Klaus-Dieter Neff vor 300 chinesischen Kollegen das deutsche Schulsystem mit seinen offenen Unterrichtsformen vorstellte und mit praktischen Beispielen veranschaulichte.

Diese Anregungen wurden denn auch im weiterführenden Kooperationsgespräch mit Direktor Wang von der Huija-Schule aufgegriffen, zu dem Schulleiter Müller nach Peking gereist war. Die chinesische Schulleitung zeigte sich interessiert daran, im weiteren Austausch die didaktischen Standards an der eigenen Schule weiterzuentwickeln. Man ist sich bewusst, dass die chinesischen Jugendlichen heute ausgesprochen weltoffen sind und den Zugang zu internationalen Medien nutzen. Die Einführung eines zeitgemäßen Unterrichtsstils, der die Kreativität der Schüle fördert, betrachtet Direktor Wang daher als eine der vorrangigen Aufgaben der nächsten Jahre. „Auch wir können aus den Erfahrungen mit dem chinesischen Schulalltag wertvolle Anregungen mit nach Hause nehmen. Lernen können wir insbesondere von der ausgeprägten Leistungsbereitschaft.“ erläutert Klaus-Dieter Neff. Inspiriert durch die Chinareise sind an der Leonardo da Vinci Schule außerdem neue „Enrichment“-Angebote wie Kalligraphie und Tai-Chi in Planung.

Bereits im Februar 2009 wird Direktor Wang zu Arbeitsgesprächen in Neckargemünd erwartet, um die Kooperation zu erweitern. Auf der Tagesordnung steht der gegenseitige Austausch von Schülern bis zu einem Schuljahr. Weitere Themen sind die Gründung eines Joint-Venture im Bildungsbereich sowie die Zusammenarbeit in der Lehrerfortbildung.


 

Tempel

Navigation

Aktuelles

Keine News vorhanden.

Tools