Wie viel Technik braucht der Mensch?
(Neckargemünd, 23.09.2008) Grüne Tafel, quietschende Kreide, muffiger Schwamm – ein Großteil der Bevölkerung ist in der Schulzeit ohne neue Medien ausgekommen. Heute sind Computer, Smartboards und Internetanschluss aus den Klassen-zimmern kaum noch wegzudenken. Kinder und Jugendliche lernen mit ihnen und entwickeln so ganz natürlich die Medienkompetenz, die sie brauchen, um sich in Alltag und Beruf zurechtzufinden.
Aber was bleibt bei all der Technik auf der Strecke? Um das herauszufinden, lassen sich Lehrer und Schüler des Leonardo da Vinci Gymnasiums auf ein Experiment der besonderen Art ein: Eine Woche lang (22.-28.9.) verzichten sie auf Bildschirme, Internet und Fernsehen. Selbst Handys sollen nur im Notfall eingeschaltet werden. Damit das Experiment funktioniert, werden die Eltern der Mädchen und Jungen einbezogen: Auch zu Hause sollten die Bildschirme ausgeschaltet bleiben.
Inspiriert hat Schulleiter Ulrich Müller ein Vortrag der Tübinger Diplompsychologin Dr. Aiga Stapf. Internet mache dumm, so die Psychologin im Kuratorium des SRH Hochbegabtengymnasiums. Denn je mehr Wissen im Internet permanent verfügbar ist, desto weniger weiß der Mensch ohne Steckdose und Festplatte. „Schüler wie Lehrer sind ständig online und erreichbar. Unsere Art zu leben und zu lernen, die Art wie wir unseren Alltag strukturieren ist geprägt durch neue Medien“, so Schulleiter Müller. Nach der Woche ohne Bildschirm tragen Schüler und Lehrer ihre Erfahrungen zusammen und überlegen, was sie in Zukunft anders machen könnten. Die grüne Tafel und der muffige Schwamm werden sicher kein Comeback feiern. Aber ein bisschen weniger Technik wird wahrscheinlich niemandem schaden.
Radiointerview von Campus TV

